Schneeschaufel-Scharfschützen sorgen für Muskelkater im Gesicht

Mittwoch, 22. Februar 2012

Man kann es fast spüren, wie die Zuschauer bei Großchancen des TEV Miesbach instinktiv das Gesicht verziehen. Und wenn die Scheibe dann neben das Tor geht oder der gegnerische Keeper hält, geht nur noch ein leichtes Raunen durch das Eisstadion. Das große Problem der Mannschaft ist bekannt, wird leise murrend hingenommen -  und noch hat Trainer Beppo Schlickenrieder keine Lösung dafür gefunden. „Im Training geht die Scheibe ja auch nicht rein“, sagt der TEV-Coach. Und wer selbst die besten Chancen liegenlässt, der verliert solche Spiele wie das am Freitag gegen den EHC Bayreuth eben. 3:4 hieß es am Ende. Dass die Meisterrunden-Partie trotz der fahrlässigen Chancenauswertung des TEV bis zum Ende knapp blieb, zeigt: Es wäre mehr drin gewesen.

Unter der Woche hatte Beppo Schlickenrieder mit seinen Spielern daran gearbeitet, wie sie aus der Bewegung zu Chancen kommen können. Das funktionierte dann auch, mit dem Kombinationsspiel war der TEV-Trainer zufrieden. Aber als es darum ging, sich mit einem erfolgreichen Abschluss selbst zu belohnen, versagten seine Spieler reihenweise. Ronny Martin und Shane Heffernan nach Querpässen (28./30.), Heffernan mit einem Alleingang von der blauen Linie (44.), Florian Zeller nach schönem Pass von Martin (48.) – alle vergaben ihre Chancen. Und die Zuschauer bekamen langsam einem Muskelkater im Gesicht. „Wir müssen einfach torhungriger werden“, sagte Beppo Schlickenrieder und fügte süffisant hinzu: „Da schieße ich mit einer Schneeschaufel schärfer.“

Die Niederlage war für den TEV Miesbach noch ärgerlicher, weil in der Defensive fleißig Geschenke verteilt wurden. Das 0:1 fiel schon nach 18 Sekunden. Nach einem Bully im eigenen Drittel hatte der TEV die Scheibe unter Kontrolle, verlor sie dann aber wieder. Sebastian Stoyan schaltete amschnellsten, Florian Lachauer im Miesbacher Tor wurde von seinem Schuss überrascht. „Solche Tore würden wir nie schießen, aber dem Gegner schenken wir sie“, meinte Schlickenrieder. Auch dem 0:2 von Florian Müller ging ein Fehler voraus. Marinus Kritzenberger drehte sich hinter dem Tor in zwei Gegenspieler und verlor die Scheibe. Ein Pass vors Tor, ein Schuss – der EC Bayreuth nahm dankend an. Für Kritzenberger war es gleichzeitig die letzte Aktion. Er musste nach seinem Fehler auf der Bank bleiben. „Wir haben ein Konzept und gewisse Regeln“, sagte Beppo Schlickenrieder. Einzelheiten dazu ließ er sich nicht entlocken, aber Scheibenverluste im eigenen Drittel werden wohl kaum zu diesem Konzept gehören.

Trotz der vielen leichten Fehler kämpfte sich der TEV Miesbach wieder in die Partie zurück. Johannes Kroner und Andreas Veicht glichen mit ihren Toren noch im ersten Drittel aus und die Rot-Weißen zeigten, dass sie durchaus mit Top-Teams wie dem Hauptrundendritten aus Bayreuth mithalten können. Für den Sieg reichte es trotzdem nicht, weil Andreas Geigenmüller per Nachschuss und Michael Hlozek in Überzahl im zweiten Drittel den alten Vorsprung wiederherstellten. Der erneute Anschlusstreffer von Veicht (58.) kam zu spät. „In solchen Spielen geht es auch darum, gewisse Dinge auszublenden“, so Schlickenrieder. Das habe seine Mannschaft nicht geschafft. Seinen Optimismus hat der TEV-Trainer aber nicht verloren: „Drei Siege und wir sind im Halbfinale“, sagt er mit einem schelmischen Grinsen.

 

TEV Miesbach – EHC Bayreuth 3:4 (2:2, 0:2, 1:0)

 

TEV: Lachauer – Kroner, Leitner; Müller, Martin; Herold, Förg; Kritzenberger, Empl – Rohm, Deml, Veicht; Zeller, Reader, Heffernan; Albanese, Sterba, Schlickenrieder; Bernegger, Amann, Marek;

 

Zuschauer: 487

 

Tore: 0:1 (00:18) Stoyan (Müller), 0:2 (02:33) Müller (Geigenmüller, Stoyan), 1:2 (06:14) Kroner (Rohm – 5:4), 2:2 (09:01) Veicht (Rohm), 2:3 (26:23) Geigenmüller (Obonek, Müller), 2:4 (31:44) Hlozek (Mayer, Pertl – 5:4), 3:4 (57:40) Veicht

 

Strafen: TEV Miesbach 6 – EHC Bayreuth 8

» mehr

Die Schüler als Vorreiter

Freitag, 17. Februar 2012

Wie seine Eishockey-Mannschaft aufsteigen kann? Da muss Heinz Grabmeier passen. „Ich habe mich noch nicht informiert“, sagt der Trainer des derzeit erfolgreichsten Nachwuchs-Teams des TEV Miesbach. „Wir haben ja nicht damit gerechnet, dass das ein Thema wird in dieser Saison.“ Ist es aber: Die Schüler sind vier Spieltage vor Saisonende Tabellenführer in der Bayernliga und damit auf dem Sprung in die Bundesliga. Am kommenden Mittwoch (9 Uhr) fällt wohl die Entscheidung um die Meisterschaft. Dann kommt es zum Duell mit dem einzig verbliebenen Konkurrenten. Der EC Peiting hat momentan gleich viele Minuspunkte auf dem Konto.
Im Erfolgsfall muss sich Grabmeier ernsthaft mit dem Aufstiegs-Prozedere beschäftigen. Der Gegner in der Relegation mit dem Meister in Baden-Württemberg steht jedenfalls schon fest: der EHC Freiburg. „Aber erst einmal denke ich nur an Peiting“, betont Grabmeier. Es ist ohnehin schon eine große Überraschung, dass die TEV-Schüler (Jahrgang 1996 und jünger) da stehen, wo sie stehen. „Wir hatten eigentlich damit gerechnet, dass wir irgendwo im Mittelfeld spielen“, räumt der Coach ein. Ganz überraschend kommen die Erfolge aber nicht. Grabmeier betreut die Mannscgaft seit dem Bambini-Alter. Er selbst bezeichnet sie als hochtalentiert und „absolute Siegertruppe“. Schon als Kleinschüler und Knaben waren sie die Stärksten in Freistaat.
Gerade deshalb hat der Coach in den vergangenen Jahren aber auch regelmäßig seine Top-Spieler verloren. Vor der aktuellen Saison gingen wieder drei nach Bad Tölz oder Rosenheim. Dort spielt der Nachwuchs schon in der höchsten deutschen Klasse und bietet mehr Perspektive.
„Wir können die Talente nicht halten“, sagt Markus Wieland, TEV-Urgestein und Geschäftsstellen-Leiter. Das soll sich aber ändern. Deshalb engagiert sich der ehemalige Nationalmannschafts-Verteidiger mit viel Herzblut für den Nachwuchs. Nach mehreren Saisons als Trainer der Ersten Mannschaft kümmert er sich jetzt selbst um die Jüngsten in der Eislaufschule und hat „Riesen-Spaß“ dabei. Es ist auch ein Zeichen, wo der TEV mittelfristig hin möchte: ein starker Nachwuchs als Fundament für die Erste Mannschaft – in welcher Liga auch immer. Dazu gehört auch sportlicher Erfolg. Darum sollen alle Jugend-Teams sukzessive in die höchste Spielklasse aufsteigen. „Wir müssen einen Anreiz schaffen, damit die jungen Talente hierbleiben“, sagt Wieland.
Zudem versucht er, ein durchgängiges Konzept für alle Altersklassen aufzubauen, inklusive einheitlichem Spielsystem. Als Vorbild dienen auch die beiden Rivalen in Tölz und Rosenheim. Bei aller Euphorie warnt Wieland aber vor überzogenen Erwartungen: „In Bad Tölz zum Beispiel hat der Prozess zehn Jahre gedauert.“ Inzwischen aber setzt sich dort die Oberliga-Mannschaft, die am Zweitliga-Aufstieg schnuppert, größtenteils aus einheimischen Spielern zusammen. Günstig und erfolgreich – „das müssen wir auch schaffen. Das ist mein Wunsch und mein Ziel“, sagt der 35-Jährige.
Heuer gehören bereits sechs Spieler und Junioren-Torwart Anian Geratsdorfer regelmäßig zum Kader des Bayernliga-Teams. „Das ist eine gute Quote“, findet der Sportliche Leiter Stefan Moser. Aber sie ist ihm noch zu gering. Auch er träumt davon, dass mal nur noch eine Hand voll Auswärtiger im rot-weißen Trikot aufläuft. Und genau deshalb sind alle begeistert von den Schülern, die scheinbar die Vorreiterrolle beim TEV übernommen haben. „Das ist eine tolle eingeschweißte Truppe. Es wäre sensationell, wenn sie es schaffen“, sagt Wieland. Denn eigentlich hatten die Verantwortlichen im Verein vor der Saison eher die Junioren als Aufstiegskandidat ins Auge gefasst. Für die hat sich das Thema aber wohl erledigt.
Ganz im Gegenteil zu Grabmeiers Team. Das ist so richtig heiß auf das Peiting-Spiel. Zumal sich seine Schützlinge auch für die deutliche 1:8-Niederlage im Hinspiel revanchieren wollen. „Das war unser schlechtestes Spiel in dieser Saison.“ Aber, ist er überzeugt, es wird sich nicht wiederholen. „Jetzt wollen wir alle rauf.“

» mehr

Der Fluch der guten Chancen

Freitag, 17. Februar 2012
Ganz perfekt geht es beim TEV Miesbach offenbar nicht. Vor dem vorentscheidenden Zwischenrunden-Wochenende gegen Bayreuth (heute, 20 Uhr) sind alle Spieler an Bord – der Bayernligist kann in der Gruppe B auf eigenem Eis in Bestbesetzung auflaufen. Einer ist jedoch angeschlagen: Beppo Schlickenrieder. Den Trainer plagt eine Erkältung. Eine Einschränkung für die Arbeit an der Bande? Auf keinen Fall, meint Schlickenrieder: „Das werden die gar nicht merken.“
Dabei sorgt das Thema Playoff bei Schlickenrieder eh für hellwache Lebensgeister – vor allem wenn jemand meint, die Niederlage gegen Sonthofen am vergangenen Sonntag sei ein Rückschritt gewesen. „Nein, wir haben tolles Eishockey gespielt“, kontert der Coach entschlossen. Deshalb sei das 0:4 ja so ein Hohn. „Dieses Ergebnis sagt, dass der Gegner uns dominiert hat, aber das hat er nicht.“ Vielmehr habe sein TEV das Spiel geprägt, aber wie so oft das Tor nicht getroffen. „Wir beherrschen Sonthofen, schießen 20 Mal auf deren Tor, ohne Erfolg. Und denen reicht eine Chance für ein Tor. Das ist deprimierend.“
Gegen die chronische Abschlussschwäche hilft nur Üben. Torschüsse stehen im Training ganz oben, auch wenn das dem einen oder anderen Spieler etwas zu eintönig wird. Schlickenrieder: „Das ist unsere Schwäche, daran müssen wir arbeiten.“
Obwohl sich der TEV mit der Sonthofen-Pleite die sehr gute Ausgangslage nach dem 6:3-Auftaktsieg in Peißenberg sich selbst genommen hat, stellt der Trainer seiner Mannschaft ein gutes Zeugnis aus. „Auf dem freien Feld sind wir das beste Team der Liga. Das ist meine feste Meinung, schon die ganze Saison.“ Nur vorne fehle der Biss, die Entschlossenheit. Vielleicht liegt das gerade an der Klasse der Mannschaft, spekuliert Schlickenrieder: „Es kann schon sein, dass wir im Abschluss etwas zu lasch sind, weil sich der eine oder andere denkt: Wir haben ja viele Chancen.“ Bei Gegnern wie dem ERC Sonthofen sei es umgekehrt. „Die wissen, dass sie kaum Chancen bekommen, und nutzen die wenigen konsequent. Dieses Thema müssen wir klären.“
Weil Schlickenrieder seine Einschätzung („Wir können jeden in dieser Liga schlagen, aber auch gegen jeden verlieren“) immer noch für gültig hält, fordert er mindestens einen Heimsieg – „den Rest schauen wir mal“. Sein Team müsse dazu „den Sinn des Spiels richtig kapieren: Die kleine schwarze Scheibe muss ins Tor.“
Provokante Worte, die die Mannschaft am „entscheidenden Wochenende“ (Schlickenrieder) aufwecken sollen. Aber nicht nur die Spieler, auch die Fans seien gefordert. „Wir sind in den Playoffs, jedes Spiel zählt. Da wäre auch mal eine volle Hütte schön.“ Stattdessen sei in Miesbach an der Kulisse nicht zu erkennen, ob ein Aufstiegs- oder ein Freundschaftsspiel stattfinde. „Das ist schade. Wir spielen ja nicht für uns, sondern für den Verein und die Fans, die hier in Miesbach Eishockey sehen wollen. Diese Mannschaft hätte jedenfalls mehr Publikum verdient.“
Denn dass der TEV wirklich etwas reißen kann in dieser Spielzeit, davon ist der Coach trotz aller Ladehemmung vorne überzeugt: „Wenn der Knoten endlich platzt, dann platzt er richtig.“ Im ersten Spiel des Wochenendes der Entscheidung wäre der beste Zeitpunkt dafür. » mehr
TEV Miesbach e.V. 2011