Der Fluch der guten Chancen

Freitag, 17. Februar 2012 Written by  D. Dorby - Miesbacher Merkur
Ganz perfekt geht es beim TEV Miesbach offenbar nicht. Vor dem vorentscheidenden Zwischenrunden-Wochenende gegen Bayreuth (heute, 20 Uhr) sind alle Spieler an Bord – der Bayernligist kann in der Gruppe B auf eigenem Eis in Bestbesetzung auflaufen. Einer ist jedoch angeschlagen: Beppo Schlickenrieder. Den Trainer plagt eine Erkältung. Eine Einschränkung für die Arbeit an der Bande? Auf keinen Fall, meint Schlickenrieder: „Das werden die gar nicht merken.“
Dabei sorgt das Thema Playoff bei Schlickenrieder eh für hellwache Lebensgeister – vor allem wenn jemand meint, die Niederlage gegen Sonthofen am vergangenen Sonntag sei ein Rückschritt gewesen. „Nein, wir haben tolles Eishockey gespielt“, kontert der Coach entschlossen. Deshalb sei das 0:4 ja so ein Hohn. „Dieses Ergebnis sagt, dass der Gegner uns dominiert hat, aber das hat er nicht.“ Vielmehr habe sein TEV das Spiel geprägt, aber wie so oft das Tor nicht getroffen. „Wir beherrschen Sonthofen, schießen 20 Mal auf deren Tor, ohne Erfolg. Und denen reicht eine Chance für ein Tor. Das ist deprimierend.“
Gegen die chronische Abschlussschwäche hilft nur Üben. Torschüsse stehen im Training ganz oben, auch wenn das dem einen oder anderen Spieler etwas zu eintönig wird. Schlickenrieder: „Das ist unsere Schwäche, daran müssen wir arbeiten.“
Obwohl sich der TEV mit der Sonthofen-Pleite die sehr gute Ausgangslage nach dem 6:3-Auftaktsieg in Peißenberg sich selbst genommen hat, stellt der Trainer seiner Mannschaft ein gutes Zeugnis aus. „Auf dem freien Feld sind wir das beste Team der Liga. Das ist meine feste Meinung, schon die ganze Saison.“ Nur vorne fehle der Biss, die Entschlossenheit. Vielleicht liegt das gerade an der Klasse der Mannschaft, spekuliert Schlickenrieder: „Es kann schon sein, dass wir im Abschluss etwas zu lasch sind, weil sich der eine oder andere denkt: Wir haben ja viele Chancen.“ Bei Gegnern wie dem ERC Sonthofen sei es umgekehrt. „Die wissen, dass sie kaum Chancen bekommen, und nutzen die wenigen konsequent. Dieses Thema müssen wir klären.“
Weil Schlickenrieder seine Einschätzung („Wir können jeden in dieser Liga schlagen, aber auch gegen jeden verlieren“) immer noch für gültig hält, fordert er mindestens einen Heimsieg – „den Rest schauen wir mal“. Sein Team müsse dazu „den Sinn des Spiels richtig kapieren: Die kleine schwarze Scheibe muss ins Tor.“
Provokante Worte, die die Mannschaft am „entscheidenden Wochenende“ (Schlickenrieder) aufwecken sollen. Aber nicht nur die Spieler, auch die Fans seien gefordert. „Wir sind in den Playoffs, jedes Spiel zählt. Da wäre auch mal eine volle Hütte schön.“ Stattdessen sei in Miesbach an der Kulisse nicht zu erkennen, ob ein Aufstiegs- oder ein Freundschaftsspiel stattfinde. „Das ist schade. Wir spielen ja nicht für uns, sondern für den Verein und die Fans, die hier in Miesbach Eishockey sehen wollen. Diese Mannschaft hätte jedenfalls mehr Publikum verdient.“
Denn dass der TEV wirklich etwas reißen kann in dieser Spielzeit, davon ist der Coach trotz aller Ladehemmung vorne überzeugt: „Wenn der Knoten endlich platzt, dann platzt er richtig.“ Im ersten Spiel des Wochenendes der Entscheidung wäre der beste Zeitpunkt dafür.