Die Schüler als Vorreiter

Freitag, 17. Februar 2012 Written by  A. Schwer - Miesbacher Merkur

Wie seine Eishockey-Mannschaft aufsteigen kann? Da muss Heinz Grabmeier passen. „Ich habe mich noch nicht informiert“, sagt der Trainer des derzeit erfolgreichsten Nachwuchs-Teams des TEV Miesbach. „Wir haben ja nicht damit gerechnet, dass das ein Thema wird in dieser Saison.“ Ist es aber: Die Schüler sind vier Spieltage vor Saisonende Tabellenführer in der Bayernliga und damit auf dem Sprung in die Bundesliga. Am kommenden Mittwoch (9 Uhr) fällt wohl die Entscheidung um die Meisterschaft. Dann kommt es zum Duell mit dem einzig verbliebenen Konkurrenten. Der EC Peiting hat momentan gleich viele Minuspunkte auf dem Konto.
Im Erfolgsfall muss sich Grabmeier ernsthaft mit dem Aufstiegs-Prozedere beschäftigen. Der Gegner in der Relegation mit dem Meister in Baden-Württemberg steht jedenfalls schon fest: der EHC Freiburg. „Aber erst einmal denke ich nur an Peiting“, betont Grabmeier. Es ist ohnehin schon eine große Überraschung, dass die TEV-Schüler (Jahrgang 1996 und jünger) da stehen, wo sie stehen. „Wir hatten eigentlich damit gerechnet, dass wir irgendwo im Mittelfeld spielen“, räumt der Coach ein. Ganz überraschend kommen die Erfolge aber nicht. Grabmeier betreut die Mannscgaft seit dem Bambini-Alter. Er selbst bezeichnet sie als hochtalentiert und „absolute Siegertruppe“. Schon als Kleinschüler und Knaben waren sie die Stärksten in Freistaat.
Gerade deshalb hat der Coach in den vergangenen Jahren aber auch regelmäßig seine Top-Spieler verloren. Vor der aktuellen Saison gingen wieder drei nach Bad Tölz oder Rosenheim. Dort spielt der Nachwuchs schon in der höchsten deutschen Klasse und bietet mehr Perspektive.
„Wir können die Talente nicht halten“, sagt Markus Wieland, TEV-Urgestein und Geschäftsstellen-Leiter. Das soll sich aber ändern. Deshalb engagiert sich der ehemalige Nationalmannschafts-Verteidiger mit viel Herzblut für den Nachwuchs. Nach mehreren Saisons als Trainer der Ersten Mannschaft kümmert er sich jetzt selbst um die Jüngsten in der Eislaufschule und hat „Riesen-Spaß“ dabei. Es ist auch ein Zeichen, wo der TEV mittelfristig hin möchte: ein starker Nachwuchs als Fundament für die Erste Mannschaft – in welcher Liga auch immer. Dazu gehört auch sportlicher Erfolg. Darum sollen alle Jugend-Teams sukzessive in die höchste Spielklasse aufsteigen. „Wir müssen einen Anreiz schaffen, damit die jungen Talente hierbleiben“, sagt Wieland.
Zudem versucht er, ein durchgängiges Konzept für alle Altersklassen aufzubauen, inklusive einheitlichem Spielsystem. Als Vorbild dienen auch die beiden Rivalen in Tölz und Rosenheim. Bei aller Euphorie warnt Wieland aber vor überzogenen Erwartungen: „In Bad Tölz zum Beispiel hat der Prozess zehn Jahre gedauert.“ Inzwischen aber setzt sich dort die Oberliga-Mannschaft, die am Zweitliga-Aufstieg schnuppert, größtenteils aus einheimischen Spielern zusammen. Günstig und erfolgreich – „das müssen wir auch schaffen. Das ist mein Wunsch und mein Ziel“, sagt der 35-Jährige.
Heuer gehören bereits sechs Spieler und Junioren-Torwart Anian Geratsdorfer regelmäßig zum Kader des Bayernliga-Teams. „Das ist eine gute Quote“, findet der Sportliche Leiter Stefan Moser. Aber sie ist ihm noch zu gering. Auch er träumt davon, dass mal nur noch eine Hand voll Auswärtiger im rot-weißen Trikot aufläuft. Und genau deshalb sind alle begeistert von den Schülern, die scheinbar die Vorreiterrolle beim TEV übernommen haben. „Das ist eine tolle eingeschweißte Truppe. Es wäre sensationell, wenn sie es schaffen“, sagt Wieland. Denn eigentlich hatten die Verantwortlichen im Verein vor der Saison eher die Junioren als Aufstiegskandidat ins Auge gefasst. Für die hat sich das Thema aber wohl erledigt.
Ganz im Gegenteil zu Grabmeiers Team. Das ist so richtig heiß auf das Peiting-Spiel. Zumal sich seine Schützlinge auch für die deutliche 1:8-Niederlage im Hinspiel revanchieren wollen. „Das war unser schlechtestes Spiel in dieser Saison.“ Aber, ist er überzeugt, es wird sich nicht wiederholen. „Jetzt wollen wir alle rauf.“