Man kann es fast spüren, wie die Zuschauer bei Großchancen des TEV Miesbach instinktiv das Gesicht verziehen. Und wenn die Scheibe dann neben das Tor geht oder der gegnerische Keeper hält, geht nur noch ein leichtes Raunen durch das Eisstadion. Das große Problem der Mannschaft ist bekannt, wird leise murrend hingenommen - und noch hat Trainer Beppo Schlickenrieder keine Lösung dafür gefunden. „Im Training geht die Scheibe ja auch nicht rein“, sagt der TEV-Coach. Und wer selbst die besten Chancen liegenlässt, der verliert solche Spiele wie das am Freitag gegen den EHC Bayreuth eben. 3:4 hieß es am Ende. Dass die Meisterrunden-Partie trotz der fahrlässigen Chancenauswertung des TEV bis zum Ende knapp blieb, zeigt: Es wäre mehr drin gewesen.
Unter der Woche hatte Beppo Schlickenrieder mit seinen Spielern daran gearbeitet, wie sie aus der Bewegung zu Chancen kommen können. Das funktionierte dann auch, mit dem Kombinationsspiel war der TEV-Trainer zufrieden. Aber als es darum ging, sich mit einem erfolgreichen Abschluss selbst zu belohnen, versagten seine Spieler reihenweise. Ronny Martin und Shane Heffernan nach Querpässen (28./30.), Heffernan mit einem Alleingang von der blauen Linie (44.), Florian Zeller nach schönem Pass von Martin (48.) – alle vergaben ihre Chancen. Und die Zuschauer bekamen langsam einem Muskelkater im Gesicht. „Wir müssen einfach torhungriger werden“, sagte Beppo Schlickenrieder und fügte süffisant hinzu: „Da schieße ich mit einer Schneeschaufel schärfer.“
Die Niederlage war für den TEV Miesbach noch ärgerlicher, weil in der Defensive fleißig Geschenke verteilt wurden. Das 0:1 fiel schon nach 18 Sekunden. Nach einem Bully im eigenen Drittel hatte der TEV die Scheibe unter Kontrolle, verlor sie dann aber wieder. Sebastian Stoyan schaltete amschnellsten, Florian Lachauer im Miesbacher Tor wurde von seinem Schuss überrascht. „Solche Tore würden wir nie schießen, aber dem Gegner schenken wir sie“, meinte Schlickenrieder. Auch dem 0:2 von Florian Müller ging ein Fehler voraus. Marinus Kritzenberger drehte sich hinter dem Tor in zwei Gegenspieler und verlor die Scheibe. Ein Pass vors Tor, ein Schuss – der EC Bayreuth nahm dankend an. Für Kritzenberger war es gleichzeitig die letzte Aktion. Er musste nach seinem Fehler auf der Bank bleiben. „Wir haben ein Konzept und gewisse Regeln“, sagte Beppo Schlickenrieder. Einzelheiten dazu ließ er sich nicht entlocken, aber Scheibenverluste im eigenen Drittel werden wohl kaum zu diesem Konzept gehören.
Trotz der vielen leichten Fehler kämpfte sich der TEV Miesbach wieder in die Partie zurück. Johannes Kroner und Andreas Veicht glichen mit ihren Toren noch im ersten Drittel aus und die Rot-Weißen zeigten, dass sie durchaus mit Top-Teams wie dem Hauptrundendritten aus Bayreuth mithalten können. Für den Sieg reichte es trotzdem nicht, weil Andreas Geigenmüller per Nachschuss und Michael Hlozek in Überzahl im zweiten Drittel den alten Vorsprung wiederherstellten. Der erneute Anschlusstreffer von Veicht (58.) kam zu spät. „In solchen Spielen geht es auch darum, gewisse Dinge auszublenden“, so Schlickenrieder. Das habe seine Mannschaft nicht geschafft. Seinen Optimismus hat der TEV-Trainer aber nicht verloren: „Drei Siege und wir sind im Halbfinale“, sagt er mit einem schelmischen Grinsen.
TEV Miesbach – EHC Bayreuth 3:4 (2:2, 0:2, 1:0)
TEV: Lachauer – Kroner, Leitner; Müller, Martin; Herold, Förg; Kritzenberger, Empl – Rohm, Deml, Veicht; Zeller, Reader, Heffernan; Albanese, Sterba, Schlickenrieder; Bernegger, Amann, Marek;
Zuschauer: 487
Tore: 0:1 (00:18) Stoyan (Müller), 0:2 (02:33) Müller (Geigenmüller, Stoyan), 1:2 (06:14) Kroner (Rohm – 5:4), 2:2 (09:01) Veicht (Rohm), 2:3 (26:23) Geigenmüller (Obonek, Müller), 2:4 (31:44) Hlozek (Mayer, Pertl – 5:4), 3:4 (57:40) Veicht
Strafen: TEV Miesbach 6 – EHC Bayreuth 8
