Sie haben den Trainer gewechselt. Gebracht hat es bislang nichts – zumindest wenn man die Ergebnisse nüchtern betrachtet. Der jüngste Erfolg ist erst der zweite von Schlickenrieder in sechs Begegnungen. Der Coach hatte schon angefangen an sich zu zweifeln. „Red‘ ich Chinesich?“ , fragte der 53- Jährige nach dem Sieg beim obligatorischen Gespräch in der Stadiongaststätte in die Runde. Nein: Bairisch, wie es sich für einen Oberlandler gehört. Und doch vermittelte seine Mannschaft anfangs den Eindruck, dass sie eben nicht verstanden hat. Oder nicht zugehört. Oder beides. „Wir müssen die einfachen Sachen machen“, sagt Schlickenrieder. Will heißen: Die Scheibe vorwärts bringen und im gegnerischen Drittel halten – „und dann passiert auch was“. Seine Spieler versuchten es meist aber zu kompliziert. Hier ein Haken, da ein Rückhandpass, und nochmal Querlegen. Das sieht locker- lässig aus, obwohl es wahrscheinlich gar nicht so gewollt ist. Es ist wohl eher der Ausdruck von Ratlosigkeit und fehlendem Selbstvertrauen. „ Woran das liegt? Ich weiß es nicht“, sagt Schlickenrieder. „Wir predigen Vollgas, schreien in der Kabine, und dann …“ – geht nichts auf dem Eis. Im zweiten Drittel ging dann aber doch was gegen überforderte Gäste. Veicht stocherte die Scheibe ins Tor (24.). Die Befreiung, die aber gerade mal 16 Sekunden währte: Ein Riesenschnitzer von Verteidiger Ronny Martin im Aufbau, und die mühsam erarbeitete Führung war dahin. Und mit ihr der gerade wiedererlangte Mut. Der kam auch erst zu Beginn des Schlussdrittels zurück. Das 2:1 (43.) durch Florian Zeller und das erzwungene 3:1 (54.) durch Renè Müller – der 23- Jährige Verteidiger legte so viel Wut in den Schuss, dass der Schläger brach – waren der Lohn. Den vierten Treffer erzielte Stefan Rohm ins leere Tor (60.). „ Dieser Erfolg war sehr wichtig für uns“, sagt Schlickenrieder und hofft auf mehr. „Wir müssen uns einfach durch mehr davon aus diesem Loch rausarbeiten.“ Seine Betonung liegt auf arbeiten, nicht spielen: Und zwar mit einfachem, geradlinigem Eishockey.
TEV Miesbach vs. EC Pfaffenhofen 4:1 (0:0 / 1:1 / 3:0 )
TEV: Lachauer – Kroner, Leitner; Martin, Dornbach; Kritzenberger, Müller; Herold, Empl; - Veicht, Zeller, Deml; Rohm, Albanese, Reader; Schlickenrieder, Sterba, Bernegger; Amann, Marek
Zuschauer: 311
Tore: 1:0 (23.58) Veicht (Deml, Kroner – 5:4) ; 1:1 (24.14) Vokaty; 2:1 (42.37) Zeller (Veicht, Deml); 3:1 (53.46) Müller (Bernegger, Schlickenrieder); 4:1 (59.59) (empty net)
Strafen: TEV 8 – ECP 12

Es gibt manchmal faszinierende Mechanismen im Sport. Schwimmt eine Mannschaft auf der Erfolgswelle, ist sie nur schwer aufzuhalten. Sie rollt einfach weiter, egal was passiert – Partie für Partie, Tor für Tor, Sieg für Sieg. Die Spieler von Eishockey- Bayernligist TEV Miesbach und ihr Trainer Beppo Schlickenrieder haben das sicherlich schon einmal erlebt und kennen das Gefühl, sich unschlagbar zu fühlen. Zuletzt allerdings war bei ihnen das Gegenteil der Fall. Die Rot- Weißen konnten machen, was sie wollen, am Ende haben sie als Verlierer das Eis verlassen. Bis Sonntag. Da ist - wie Sportler in solch einem Moment so schön sagen – der Knoten geplatzt. Zumindest hoffen sie in Miesbach, dass der mühsame, aber nie gefährdete 4:1 – Sieg gegen den EC Pfaffenhofen der Ausbruch ist aus einer wochenlangen Abwärtsspirale.